Verdi auf Gran Canaria!

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Bei leichtem Regen hob die Turbo-ATR über dem fast immer bewölkten Ana-Gebirge von Teneriffa ab in Richtung Las Palmes de Gran Canaria. Dort gab es mal wieder Oper, und es liegt mehr oder weniger auf der Route nach Barcelona. Denn dort wird am 1. März die zeitgenössische Oper von George Benjamin, „Lessons of Love and Violence“, am Gran Teatre del Liceu über die Bühne gehen. Zunächst aber der Klassiker „Il trovatore“ von Giuseppe Verdi bei den Amigos Canarios de la Ópera – ACO im mondänen Auditorio Alfredo Kraus. Er ist der große lyrische Sohn der Kanaren-Insel Fuerteventura, auf der ich den Jahreswechsel verbringen konnte. 

ATR nach Las Palmas

Las Palmas ist die erste Stadt, die die Spanier auf den Kanaren angelegt haben, offenbar in einem größeren Palmenwald. Es ist aber auch ein wichtiger Hafen Spaniens, bedeutende Verbindungsstation zwischen dem spanischen Festland und Südamerika. Ein Rundgang durch die Altstadt La Vegueta lässt schnell die Geschichte und den Nachdruck erahnen, mit denen die Spanier nicht nur Gran Canaria, sondern auch Teneriffa und die anderen fünf kanarischen Inseln von den Guanchen erobert haben. 

Silhouette von Las Palmas

Sie fingen bereits im 15. Jahrhundert mit dem Bau der riesigen Kathedrale Santa Ana in der Vegueta an, die erst im gotischen Stil begonnen und 1857 im neoklassischen Stil beendet wurde. Sie steht am unteren Ende der großzügig angelegten Plaza Santa Ana, ist die größte Kirche Gran Canarias und Sitz des Bischofs der Kanarischen Inseln. 

Kathedrale Santa Ana

Besonders beeindruckt hat mich heute ihr Inneres. Es ist ungewöhnlich hell für eine Kathedrale solchen Formats mit Beleuchtung auf den Stützen der Emporen und dem vorherrschenden Weiß der Wände. Das sieht man so nur selten. In der Umgebung der Kathedrale finden sich viele andere Gebäude mit Geschichte, die einen zum Teil einige Jahrhunderte zurückgehen lassen. Auch die Universität von Gran Canaria hat eine Kuppel wie eine Kirche.

Kirchenschiff

Natürlich hat mich das Opernhaus besonders interessiert. Das vornehmlich in grau-weißen Farben im neoklassischen Stil erbaute Teatro Peréz Galdós steht nahe am Meer. Der erste Bau wurde noch unter anderem Namen 1890 eröffnet. Aber schon 1918 geschah das, was damals so oft mit Theatern geschah: Es brannte ab. Man begann bald darauf mit dem Wiederaufbau, und 1928 fand die feierliche Wiederöffnung statt. Nach einer Generalsanierung 2007 ist das Galdós eines der modernsten Theater Spaniens und steht auch unter Denkmalschutz. Leider konnte ich den Innenraum nicht sehen, da wegen der Beschränkungen der Besucherplätze infolge der Pandemie die Opern im Auditorium stattfinden. So kann man statt 380 in der Oper immerhin 650 Plätze bereitstellen. 

Opernhaus Peréz Galdós

Womit wir bei der Aufführung des „Trovatore“ wären, der in diesen Tagen in einer Neuinszenierung der ACO dreimal aufgeführt wurde, in traditionellem Design und mit einem guten Sängerensemble. Meine Rezension der Aufführung für das Orpheus Magazin ist hier zu lesen.

Auditorio Alfredo Kraus

  • Ludwig Brunner sagt:

    Ich bin ziemlich neu bei Ihnen am blog. Danke Ihnen fuer die schoenen und ausfuehrlichen Reiseberichte mit guten Fotos und den Kritiken. Immer interessant von Auffuehrungen zu erfahren ueber die man nicht taeglich liest. Auch das Interview mit dem Direktor sehr gelungen.

  • Evan Christ sagt:

    Wieder ein toller Bericht, Klaus! Scheint eine super Aufführung zu sein!

    • K. Billand sagt:

      Ja, ein schöner Abend in halbexotischem Ambiente mit weltweit bekannten Sängern. Ende März werde ich wieder hier sein für „Adriana Lecouvreur“.

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